Entrepreneur News November 2009
Schweiz ist Top-Standort für ausländische Investoren
Internationale Manager meinen zudem, die Schweiz habe die besten Voraussetzungen, um die aktuelle Krise zu meistern.
Markus T. Schweizer, Managing Partner Accounts & Business Development, Germany/Switzerland/Austria, markus.schweizer@ch.ey.com
In der Rangliste der attraktivsten Standorte belegt die Schweiz nach Deutschland den zweiten Platz. Internationale Unternehmen schätzen vor
allem die politische Stabilität und Rechtssicherheit. Das Schweizer Steuersystem verliert an Attraktivität und ist nicht mehr einer der
Top-Standortfaktoren. Die grössten Herausforderungen für die Schweiz liegen in den Bereichen Innovation und Unternehmergeist sowie Forschung und
Entwicklung.
Wie attraktiv ist der Standort Schweiz für ausländische Investoren? Was sind die wichtigsten Standortfaktoren? Und wie hat sich das Image der
Schweiz vor dem Hintergrund der aktuellen Krise ver ändert? Um diese und weitere Fragen zu beantworten, hat im August 2009 ein unabhängiges
Marktforschungsinstitut im Auftrag von Ernst & Young 700 international tätige Unternehmen weltweit befragt. 204 der Unternehmen haben
aktuell Aktivitäten in der Schweiz. Befragt wurden Führungskräfte, darunter Geschäftsleiter, Bereichsleiter und Verwaltungsräte multinationaler
Unternehmen.
1. Die attraktivsten Länder der Welt
Die Schweiz geniesst bei internationalen Unternehmen einen sehr guten Ruf: 20 Prozent der Unternehmen bezeichnen die Schweiz – nach Deutschland mit
23 Prozent – als einen der attraktivsten In vestitionsstandorte weltweit. Damit belegt die Schweiz Platz zwei der am meisten präferierten Länder,
wenn es um die Verlagerung wichtiger Geschäftsbereiche ins Ausland geht.

Abb. 1
Den dritten Platz belegen die USA mit 11 Prozent. Den vierten und den fünften Platz im Länderranking teilen sich Frankreich und Grossbritannien mit
jeweils zehn Prozent. Insgesamt befinden sich sechs europäische Länder unter den Top-10-Investitionsstandorten weltweit, allesamt aus
Westeuropa.
2. Standort Schweiz: Stärken und Schwächen

Abb. 2
Besonders geschätzt wird die Schweiz für ihre politische Stabilität und Rechtssicherheit. 97 Prozent der Befragten bezeichnen den Standort Schweiz
hinsichtlich dieses Faktors als attraktiv. Ähnlich gute Noten erhält die Schweiz in punkto Lebensqualität und soziales Klima. Diese Standortfaktoren
erzielten jeweils 96 Prozent der positiven Bewertungen; im Jahr 2007 lag der Anteil noch bei jeweils 100 Prozent.
Deutlich Einbussen hat hingegen die Attraktivität des Steuersystems zu verzeichnen. Während die befragten Manager im Jahr 2007 diesen
Standortfaktor noch als viertwichtigsten klassifizierten, rückt dieser in der aktuellen Befragung merklich in den Hintergrund und belegt nur noch
Rang 11 der wichtigsten Standortfaktoren.

Abb. 3
Alles in allem, so scheint es, sind die Lenker ausländischer Unternehmen der Meinung, dass die Schweiz in den vergangenen Jahren weiter an
Attraktivität gewonnen habe. Im Vergleich zu 2007 sehen 41 Prozent der Befragten eine Verbesserung der Standortqualität und nur 23 Prozent
eine Verschlechterung. Allerdings zeigt sich, dass der Anteil derer, die eine Verbesserung der Standortqualität wahrnehmen, deutlich abgenommen
hat (minus 29 Prozentpunkte), während die Zahl der Kritiker grösser geworden ist (plus acht Prozentpunkte).
Die aktuelle Wirtschaftskrise scheint sich zudem in den Investitionsplänen der Unternehmen niederzuschlagen. Nachdem 2007 insgesamt 74 Prozent
der befragten Unternehmen planten, in der Schweiz zu investieren, sank der Anteil in diesem Jahr auf 50 Prozent.
Die Zahl der potenziellen Auswanderer ist leicht gestiegen. Waren es 2007 erst 24 Prozent, die daran dachten, ihre Schweizer Aktivitäten
ganz oder teilweise in andere Länder zu verlagern, so sind es in diesem Jahr bereits 26 Prozent.

Abb. 4
Der Druck auf den Standort bleibt somit bestehen. Wichtigstes Argument für Verlagerungen bleiben Kosteneinsparungen – sie geben bei nahezu
der Hälfte der potenziellen Abwanderer den Ausschlag für die Entscheidung die Schweiz zu verlassen. Zur Erschliessung neuer Märkte oder wegen der
Nähe zu Grosskunden liebäugeln nur 27 bzw. 28 Prozent der Unternehmen mit dem Schritt in andere Länder.
3. Innovationsstandort Schweiz?

Abb. 5
Bei der Innovationsfähigkeit schneidet die Schweiz im Vergleich mit anderen Ländern nur mittelmässig ab: In der «Weltrangliste» der innovativsten
Länder liegt die Schweiz hinter China, den USA, Deutschland und Indien auf dem fünften Rang – nur 23 Prozent der Befragten bezeichnen die
Schweiz als einen von fünf besonders innovativen Standorten. 54 Prozent entscheiden sich für China, 44 Prozent für die USA, 35 Prozent
für Deutschland und 31 Prozent für Indien.
Interessanterweise werden die Schwellenländer China, Indien und Russland im Durchschnitt von 30 Prozent der Befragten genannt, die etablierten
Industrieländer nur von 19 Prozent. Die Befragungsergebnisse zeigen somit deutlich, wie eng inzwischen das Rennen zwischen den wichtigen
Hightech-Standorten ist und welche Bedeutung die Schwellenländer aus Sicht der Unternehmen schon heute haben.
Wie gross die Herausforderung ist, vor der die etablierten Industrieländer einschliesslich der Schweiz stehen, zeigen zudem die Ergebnisse zu der
Frage, wo aus Sicht der Befragten die «Googles» oder «Microsofts» der Zukunft entstehen werden – Unternehmen also, die es schaffen, sich innerhalb
kürzester Zeit als Weltmarktführer im Bereich Software/Hightech zu etablieren.

Abb. 6
Hier spielt die Schweiz nach Meinung der Befragten ganz klar in der zweiten Liga: Die USA, Indien und China werden demnach die Heimat solcher
zukünftiger Giganten sein. Nur fünf Prozent der Befragten glauben, dass die Schweiz entsprechendes Potenzial hat.
4. Standort Schweiz: Trotz Krise stark

Abb. 7
Aus Sicht der Befragten kann sich der Standort Schweiz trotz der Wirtschaftskrise als Top-Standort behaupten: 93 Prozent der Befragten sind
zuversichtlich, dass die Schweiz die Krise erfolgreich bewältigen kann. 44 Prozent sind sogar der Meinung, dass die Schweiz unter allen
europäischen Ländern die besten Voraussetzungen habe, um die Krise zu bewältigen.

Abb. 8
Als wichtigsten Erfolgsfaktor, um die Krise zu bewältigen, führen zwei von drei Managern das starke Bankensystem an. Bei den Themen Innovation und
Unternehmergeist sowie Forschung und Entwicklung scheiden sich dagegen die Geister. Unternehmen mit Aktivitäten in der Schweiz vergeben deutlich
bessere Noten als Unternehmen ohne Aktivitäten in der Schweiz.
5. Fazit
Die Umfrageergebnisse zeigen: Die Schweiz ist als Investitionsstandort für multinationale Unternehmen nach wie vor sehr beliebt, insbesondere wenn
es um die Verlagerung von wichtigen Geschäftsbereichen ins Ausland geht. Ausländische Investoren sind infolge der Wirtschaftskrise und der Steuerdebatten
der vergangenen Monate aber auch zurückhaltender geworden.
Die grössten Herausforderungen für die Schweiz sehen internationale Manager vor allem in den Themen «Innovation und Unternehmergeist» sowie «Forschung
und Entwicklung». Während Unternehmen mit Investments in der Schweiz diese beiden Themenbereiche mehrheitlich als Standortvorteile bezeichnen, sind
Unternehmen ohne Investments in der Schweiz davon deutlich weniger überzeugt.
Das Interesse des Auslandes sollte daher in Zukunft – insbesondere im Rahmen der Standortpromotion – stärker auf den Forschungs- und
Entwicklungsstandort Schweiz gelenkt werden. In Kombination mit Steuervorteilen für innovative Unternehmen könnten so wichtige Anreize geboten
werden, um den Standort Schweiz erfolgreicher in Richtung Innovationsführerschaft zu bewegen und die Attraktivität der Schweiz als Top-Standort
für multinationale Unternehmen zu erhalten und auszubauen.
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